Schmerzbehandlung
bei Patienten mit neuromuskulären
Erkrankungen
von
Dr. med. Carsten Schröter
Schmerzbehandlung
bei neuromuskulären Erkrankungen - Übersicht:
1.
Einleitung
2.
Ursachen von Muskelschmerzen
3.
Schmerzen als Folgen neuromuskulärer Erkrankungen
4.
Schmerzbehandlung bei neuromuskulären Erkrankungen
4.1. Krankengymnastik
4.2. Ergotherapie
4.3. Massage
4.4. Manuelle Therapie
4.5. Thermotherapie (Wärme- und Kälte-Therapie)
4.6. Elektrotherapie
4.7.
Interventionelle
Verfahren
4.8. Psychologische Schmerztherapie
4.9. Medikamente
4.10.
Außenseiter-Methoden
4.11.
Sozialmedizinische Aspekte
5.
Zusammenfassung
Schmerzbehandlung - 1.
Einleitung
Neuromuskuläre
Erkrankungen werden oft als Muskelerkrankungen zusammengefasst, es kann
sich aber um Erkrankungen sowohl der Muskeln wie auch der Nerven
handeln. Meist ist die zentrale Symptomatik dieser Erkrankungen eine
Schwäche der Muskulatur, je nach Art der Erkrankung finden sich aber
weitere Symptome. Zur umfassenden Übersicht über neuromuskuläre
Erkrankungen können Sie sich auf unserer Internet-Seite www.muskelkrankheit.de
informieren.
Muskelschmerzen
(Myalgien) sind generell ein sehr häufiges Phänomen, auch bei
Personen, die nicht an einer neuromuskulären Erkrankung leiden.
Besonders häufig ist der Schmerz, der verzögert nach einer besonderen
Belastung auftritt, den wir alle als Muskelkater kennen. Schmerzen für
sich sind aber erst einmal ein vieldeutiges Zeichen einer stattfindenden
oder drohenden Gewebsverletzung. Deshalb ist zunächst die Ursache zu
ermitteln und diese gegebenenfalls gezielt abzustellen.
Schmerzbehandlung -
2.
Ursachen von Muskelschmerzen
An
erster Stelle steht selbstverständlich auch beim Patienten mit einer
neuromuskulären Erkrankung die möglichst genaue diagnostische
Zuordnung der Schmerzen. Patienten mit einer sogenannten metabolischen
Myopathie leiden oft unter Muskelschmerzen bereits während einer kurzen
Belastung. Hier ist eine ganz spezifische Beratung und Behandlung
notwendig. Bei den Muskeldystrophien oder neuralen und spinalen
Muskelatrophien ist die Ursache meist in der Fehlhaltung und
Fehlbelastung des Bewegungsapparates bedingt. Wesentliche Faktoren
stellen auch die Kontrakturen (Einschränkungen der Gelenkbeweglichkeit)
dar.
Weiter
ist differentialdiagnostisch auch nach Reizungen der Nervenwurzeln,
beispielsweise durch einen Bandscheibenvorfall ausgelöst, oder
Gelenkschäden, wie zum Beispiel Arthrose, zu suchen.
Tabelle: Ursachen von
Muskelschmerzen (nach Newham, Mills, in: Wall, Melzack: Textbook of Pain,
1999)
-
Trauma,
Sportverletzungen
-
Infektiöse
Muskelentzündungen
-
Entzündliche Muskelerkrankungen
Polymyositis (PM)
Dermatomyositis
PM oder DM in Verbindung mit Bindegewebserkrankung
-
Polymyalgia rheumatica
-
Muskelschmerzen bei Erkrankungen der Nervenfasern
-
Störungen
des Muskelenergie-Stoffwechsels
-
Defekte der zytosolischen Enzyme
-
Lipidspeicherkrankheiten
-
Mitochondriale Myopathien
-
Medikamentös bedingte Myopathien
Schmerzbehandlung - Diagnostisch wegweisende
Muskelschmerzen
Besondere
Beachtung ist Muskelschmerzen zukommen zu lassen, wenn es sich um die
Erstdiagnostik der neuromuskulären Erkrankung handelt. So kommen sie häufig
bei der Muskelentzündung, der Myositis, vor. In charakteristischer
Weise treten sie auch bei metabolischen Erkrankungen
(Stoffwechselerkrankungen) wie dem Mangel an bestimmten Enzymen in der
Muskelfaser auf, so der Myophosphorylase (McArdle), Phosphofructokinase
und Carnitin-Palmoityl-Transferase II, sowie mitochondrialen Myopathien.
Häufig sind sie auch bei dem Myoadenylatdeaminase-Mangel oder der
sogenannten Myopathie mit tubulären Aggregaten. Zur Klärung sind
Biopsien und Untersuchungen der Stoffwechselfunktion des Muskels
notwendig.
Häufig
kommt der Muskelschmerz auch in Form von Muskelkrämpfen vor, schon bei
sonst Muskelgesunden, dann besonders in der Wadenmuskulatur, aber auch
beim Myophosphorylase-Mangel, bei ausgeprägter Schilddrüsen-Unterfunktion.
Aber auch bestimmte Medikamente können zu Muskelschmerzen oder Krämpfen
führen.
Medikamentös bedingte
Muskelschmerzen und Muskelkrämpfe können bei einer Reihe von
Medikamenten auftreten. Wenn Sie den Verdacht haben, dass ein Ihnen
verordnetes Medikament für die Schmerzen verantwortlich sein könnte,
besprechen Sie dies bitte mit Ihrem Arzt.
Im Mittelpunkt der weiteren
Darstellung soll der Schmerz stehen, der als der besonderen Belastung
auftritt, die auf dem Bewegungsapparat lastet.
Schmerzbehandlung -
3.
Schmerzen als Folgen neuromuskulärer Erkrankungen
Schmerzen
können auch als indirekte Folgen neuromuskulärer Erkrankungen
auftreten. Diese sind sicher als die Schmerzen, die direkt Ausdruck der
Erkrankung sind, wie bisher berichtet. Im folgenden wird über die häufigsten
Ursachen von Schmerzen bei Patienten mit einer Muskeldystrophie, einer
spinalen oder einer neuralen Muskelatrophie berichtet. Schmerzen treten
hier oft durch die
-
Fehlhaltung
oder
-
Fehlbelastung
sowie verstärkt durch
-
Kontrakturen
(Bewegungseinschränkungen der Gelenke) auf.
Bewegungseinschränkungen
der Gelenke tragen zu einer Schmerzentstehung bei, da die geschrumpften
Gelenkkapseln, Bänder, Sehnen und Muskeln bei Bewegungen stärker als
gewöhnlich gereizt werden. Funktionell führt der Schmerz zu einer
weiteren Gelenkfehlhaltung, weiter zu Muskelverspannungen und schließlich
wieder zu Bewegungseinschränkungen. Hinsichtlich der strukturellen Verhältnisse
kommt es über eine Schmerzschonung mit Minderbewegung zur Verkürzung
der Weichteile, die das Gelenk umgeben. Auch die durch die
Minderbewegung gestörte Versorgung der Knorpelstrukturen spielt eine
Rolle.
Schmerzkreislauf
4.
Schmerzbehandlung bei neuromuskulären Erkrankungen
Wie so oft im Bereich der neuromuskulären Erkrankungen wird auch das
Thema Schmerz in erster Linie als ein diagnostisches Problem angesehen,
weniger als ein therapeutisches. Im weiteren soll deshalb nun die
Schmerzbehandlung neuromuskulärer Erkrankungen im Mittelpunkt stehen.
Dabei wird aber nicht über spezielle Therapien bei speziellen
Erkrankungen berichtet, sondern eine Übersicht gegeben werden.
Woran
denkt man bei der Schmerzbehandlung als erstes? An Medikamente!
Gerade bei neuromuskulären Schmerzen sind meist aber andere Maßnahmen
wichtiger, insbesondere die Physiotherapie (Krankengymnastik). Folgende
Facetten der Schmerzbehandlung bei neuromuskulären Erkrankungen werden
nachfolgend dargelegt:
4.1.
Krankengymnastik
4.2. Ergotherapie
4.3. Massage
4.4. Manuelle Therapie
4.5. Thermotherapie (Wärme- und Kälte-Therapie)
4.6. Elektrotherapie
4.7. Interventionelle
Verfahren
4.8. Psychologische Schmerztherapie
4.9. Medikamente
4.10. Außenseiter-Methoden
4.11. Sozialmedizinische
Aspekte
Schmerzbehandlung - 4.1. Krankengymnastik
Da
eine ursächliche Behandlung der verschiedenen genetisch bedingten
neuromuskulären Erkrankungen bislang noch nicht möglich ist, beschränkt
sich die Behandlung derzeit vorwiegend auf symptomatische,
funktionserhaltende und –fördernde Maßnahmen. Diese sind in der Tat
gut wirksam und können den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen. Im
Zentrum steht dabei die Krankengymnastik, begleitet durch andere
physikalische Maßnahmen. Zum optimalen Einsatz der Maßnahmen sind die
genaue Diagnose, die Kenntnis des Verlaufs der Erkrankung als auch die
genaue Untersuchung des Betroffenen, die Beurteilung seines aktuellen
Befundes und seines individuellen Krankheitsverlaufs notwendig. Auswahl,
Intensität und Häufigkeit der Krankengymnastik hängen davon ab.
Wichtige
Aufgaben der Krankengymnastik sind
-
Funktionsverbesserung
-
Funktionserhaltung
-
Vermeiden
von Sekundärkomplikationen wie
o
Gelenkkontrakturen
(Einsteifung der Gelenkbeweglichkeit)
o
Orthostatische
Funktionsstörungen (Kreislauffunktion)
o
Osteoporose
o
Stoffwechselstörungen
in der Muskulatur
Bei
den Muskeldystrophien bestehen die Veränderungen in der
Muskulatur in einem mehr oder weniger starken Verlust an gesunden
Muskelfasern und damit der aktiven Muskelmasse sowie einen Umbau in
Bindegewebe und Fettgewebe. Auch der Stoffwechsel der Muskelfaser ist
gestört. Bei den spinalen und neuralen Muskelatrophien wird die
ungenügend durch Nerven versorgte Muskulatur schmächtig (atrophisch)
mit hieraus resultierendem Kraftverlust und Bewegungsbeeinträchtigungen.
In all diesen Fällen entstehen Sekundärfolgen, wie eine Schwäche und
Atrophie (Verschmächtigung) auch intakter, aber wegen der
Funktionseinbußen wenig oder nicht beanspruchter Muskelfasern. Hierzu
gehören auch Gelenkversteifungen (Kontrakturen) mit den hieraus
wiederum resultierenden Fehlhaltungen und Mehrbeanspruchungen von
Muskelgruppen. Die Folge sind zusätzliche Behinderungen in der
Fortbewegung, der Statik und bei den täglichen Verrichtungen, die dem
Patienten zunehmend größere Anstrengungen abverlangen und zu
Ausgleichsbewegungen führen. Der Einsatz der verbliebenen Muskulatur
kann zunehmend unökonomisch werden. In diesen Bereichen sind die
Ansatzpunkte der Krankengymnastik zu suchen.
Aufgaben
der Krankengymnastik sind also:
-
Optimierung
der Funktionen der Bewegungsorgane hinsichtlich Koordination
-
Erhalten
der Kraft bzw. Kräftigung der vorhandenen funktionsfähigen Muskulatur
-
Verzögerung
von Deformierungen, vor allem Gelenkkontrakturen und Skoliosen
-
Erleichterung
von Alltagsanforderungen
-
Erhalten
der Orthostasefunktionen
-
Erhalten
der Atemfunktion
Krankengymnastisch
sind einerseits passive Bewegungsübungen möglich, hierbei führt der
Therapeut die Bewegungen aus, die Gelenkbewegungen werden bis zum Punkt
des Widerstandes oder der Schmerzen durchgeführt. Durch Dehnübungen
kann dann der Bewegungsumfang
eines Gelenkes erweitert werden. Zu den passiven Übungen können auch
Lagerungen gezählt werden. Beispielsweise kommen sogenannte
Drehdehnlagerungen zum Einsatz, die entweder selbständig oder aber auch
mit Hilfe eines Krankengymnasten oder des Partners eingenommen werden.
Durch eine gezielte Behandlung der Kontrakturen durch Dehnung oder auch
Operation konnte in Studien nachgewiesen werden, dass sich die
Muskelfunktion bessert.
Ebenso sind aktive Bewegungsübungen
notwendig. Hier ergibt sich oft die Frage, welche der verschiedenen
Therapieschulen die beste ist, Bobath, Vojta, Funktionelle
Bewegungslehre (Klein-Vogelbach) etc.. In der Regel ist es am günstigsten,
sich nicht einer Therapieschule zu verschreiben, sondern für den
Patienten aus den verschiedenen Schulen die jeweils gewinnbringendsten
Übungen herauszusuchen. Die Durchführung rein isometrischer Übungen
wird heute nicht mehr empfohlen. Neben den Übungen zur dosierten Kräftigung,
Ausdauer- und Funktionsverbesserung sind auch Übungen zur Körperwahrnehmung
zu empfehlen, damit der Patient die vom Therapeuten korrigierten
Bewegungen und Haltungen erkennen und in sein alltägliches
Bewegungsmuster übernehmen kann.
Ein
ökonomischer Einsatz von Muskulatur ist besonders durch
Koordinationsschulung zu erreichen. Ist die Muskulatur zu stark geschwächt,
um koordinierte Bewegungen durchzuführen, kann dies auch im
Schlingentisch, im Help-Arm oder im Bewegungsbad zum Ausschalten der
Schwerkraft erfolgen.
Im
Stehtisch werden bei komplett rollstuhlabhängigen Personen vegetative
Funktionen angeregt, Durchblutung und Atmung verbessert, zudem das
Kontrakturrisiko vermindert. Diese Aspekte dienen ebenfalls einer
Schmerzminderung und –vorbeugung. Stühle mit einer Aufrichtefunktion
kommen hierfür ebenfalls in Frage.
Grundsätzlich
ist darauf zu achten, dass die Muskulatur nicht übermäßig beansprucht
wird. Ein intensives Krafttraining ist meist nicht sinnvoll, sondern
kann durch eine Überlastung der Muskulatur sogar zu einer
Verschlechterung des Zustandes, zu einer Zunahme der Schwäche, führen.
Ein Muskelkater ist dabei kein Hinweis auf eine besonders erfolgreiche
und effektive Behandlung, sondern auf eine als schädlich einzuschätzende
Überbelastung. Auch kann ein Anstieg des Muskelenzyms CK (Creatinkinase)
auf eine zu hohe Belastung hinweisen. Zur Abstimmung ist die enge Rückkopplung
zwischen dem Therapeuten und dem Patienten notwendig. Günstig sind Übungen,
in denen ein Hauptaugenmerk auf koordinative Aspekte gelegt wird.
Eine
kontinuierliche Krankengymnastik, ergänzt durch ein Selbstübungsprogramm,
soweit dies möglich ist, ist notwendig, um ein Optimum der Funktionen
aufrechtzuerhalten und Komplikationen, wie zum Beispiel Schmerzen,
vorzubeugen oder das Auftreten zu verzögern. In individuell einzuschätzenden
Abständen sollten stationäre Heilverfahren durchgeführt werden, um in
einem zeitlich begrenzten Zeitraum eine Optimierung der Funktionen und
der Alltagsbelastbarkeit zu erreichen. Gerade für gehfähige Patienten
ist die Teilnahme an einer Rückenschule sinnvoll, durch die rückengerechtes
Verhalten vermittelt wird.
Ergänzend
sollte im Verlauf der Erkrankung auch an diätetische Maßnahmen gedacht
werden. Infolge der körperlichen Inaktivität ist das Risiko von Übergewicht
erhöht, wiederum mit dem erhöhten Risiko von Komplikationen,
insbesondere auch von Schmerzen im Bereich der Rückenmuskulatur oder
der Wirbelsäule.
Schmerzbehandlung -
4.2. Ergotherapie
Ergotherapeutisch
gelten die selben Ansätze wie bei der Krankengymnastik, Schwerpunkt
sind hier meist besonders die Funktionen der Arme. Aber auch hier ist
immer die Rumpfhaltung des Patienten mit zu berücksichtigen.
Eine
wichtige Aufgabe der Ergotherapie ist zudem die Versorgung mit
Hilfsmitteln. Sie können eine Reihe von Alltagsfunktionen und damit das
Leben erleichtern, Schmerzen vorbeugen oder vermeiden. Vielen Patienten
fällt die Vorstellung schwer, einen Rollstuhl als Hilfsmittel zu
akzeptieren, in der Annahme, dass dies zu einer weiteren
Verschlechterung der Selbständigkeit führt. Der Aspekt, dass das Geh-
und Stehtraining durch einen Rollstuhl vernachlässigt werden könnte,
ist zwar wichtig, wird in der Regel aber nicht missachtet. Tatsächlich
wird bei Patienten am Rande der Gehfähigkeit der Bewegungsradius durch
einen Rollstuhl erweitert und eine Überbelastung vermieden. Bei der
Auswahl des Rollstuhls, Leichtgewichtsrollstuhl, Aktiv- und
Sportmodelle, Elektroantrieb etc. kommt es auf eine adäquate Anpassung
an, besonders auch die Rückenlehne betreffend. Hilfsmittel können
viele Bewegungen und Funktionen erleichtern. Die Greifzangen erleichtern
das Aufheben von Gegenständen, die Toilettensitzerhöhung das
Aufstehen. Unter den speziellen Aufrichthilfen sei auch auf den
Badewannenlifter hingewiesen.
Schmerzbehandlung -
4.3. Massage
Die
Massage dient der Lockerung der Muskulatur, insbesondere bei vermehrter
Verspannung bei relativer Überforderung. Hier ist zu berücksichtigen,
dass die Muskulatur durch zu kräftige Massage, besonders bei Knetungen
und Walkungen, geschädigt werden kann, besonders wenn es sich um eine
Muskeldystrophie handelt. Deshalb sollte alternativ insbesondere an
Streichmassagen gedacht werden. Sie können eine reflektorische
Muskelentspannung bewirken und damit ebenfalls eine Linderungen der
Schmerzen erreichen. Auch beschleunigen sie den venösen und
Lymphabfluss. Vibrationen und Vibrationsmassagen erzielen eine
Detonisierung (Lockerung der Spannung) des Muskels. Sie erreichen nicht
nur den Muskel, sondern auch die Bänder und benachbarten Gelenke.
Vibrationen eignen sich besonders auf Schmerzpunkten. Durch die Maßnahmen
kommt es zu einer Verbesserung der Muskeldurchblutung, Abtransport von
Stoffwechselprodukten, Verbesserung der Zufuhr von Nährstoffen, kurzum,
zu einer Verbesserung der Versorgung und Trophik. Unter fachkundiger
Anleitung können für die Eigenbehandlung bzw. für die Behandlung
durch einen Angehörigen einfache Methoden vermittelt werden. Die
Therapieformen der Massage sind nur in Kombination mit einer aktiven
Behandlung, d.h. Krankengymnastik, sinnvoll.
Schmerzbehandlung -
4.4. Manuelle Therapie
Der
Begriff der manuellen Therapie beschreibt eine Therapieform, die durch
Handgriff-Techniken Störungen des Bewegungsapparates zu beheben sucht.
Den aktiven Bewegungsumfang eines Gelenkes nutzen die
krankengymnastischen Bewegungsübungen. Darüber hinaus, auch von
Krankengymnasten durchgeführt, wird das passive Bewegungsausmaß über
schmerzbedingten oder leichten mechanischen Widerstand durch die
Mobilisation erweitert. Dieser Bereich wird für die Behandlung von
Kontrakturen genutzt. Manipulationen dagegen gehören nicht mehr zum
Bereich der Krankengymnastik, sondern sind nur Ärzten erlaubt. Bei
Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen sind die Manipulationen
allenfalls mit größter Vorsicht durchzuführen. Durch die beeinträchtigte
Muskulatur ist die Gelenkführung gestört und die Gefährdung von
Gelenk und Muskel eher höher als der potentielle Nutzen. Im Einzelfall
können aber auch diese Maßnahmen sinnvoll sein.
Schmerzbehandlung -
4.5. Wärme/Kälte-Therapie
Weitere
flankierenden Maßnahmen, die Funktionen weiter optimieren und Schmerzen
lindern können, sind Wärmeanwendungen wie Überwärmungsbad,
Infrarot-Kabine, heiße Rolle etc., um dadurch eine
Stoffwechselsteigerung zu erreichen. Wegen der vermehrten Kälteempfindlichkeit
der Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen werden Kälteanwendungen
dagegen in der Regel nicht toleriert. Allerdings kann Kälte bei entzündeten
Gelenken lokal angewendet der Schmerzlinderung dienlich sein. Kälte
reduziert die Entzündungsreaktion, führt zudem an den kleinen
Nervenfasern, die für die Fortleitung der Schmerzimpulse zuständig
sind, zu einer Verminderung der Aktivität.
Wärme
ist ein wichtiger Faktor, um den Teufelskreis „Schmerz – Verspannung
– mehr Schmerz – u.s.w.“ zu unterbrechen. Muskelverspannungen
werden durch Wärme gelindert. Dies geschieht direkt, durch die Erwärmung
der Muskeln, aber auch reflektorisch durch Erwärmung der Haut, bedingt
durch die Verschaltung der Nervenfasern von der Haut zum Rückenmark mit
denen vom Rückenmark zum Muskel bzw. zu den Blutgefäßen im Muskel.
Durch Wärmepackungen, wie Fango oder Moorpackungen, werden vorwiegend
oberflächliche Gewebsschichten erwärmt. Die Packungen eignen sich
besonders vor Massagen oder vor Krankengymnastik. Eine Möglichkeit,
auch zuhause selbst eine oberflächliche, aber effektive Wärmetherapie
ohne großen Aufwand durchzuführen, ist die heiße Rolle. Diese Technik
kann dem Patienten oder seinem Partner vom Krankengymnasten vermittelt
werden.
Schmerzbehandlung - 4.6. Elektrotherapie
Bei
der Anwendung der Elektrotherapie ist grundsätzlich darauf zu achten,
ob beispielsweise Metall (z.B. eine Endoprothese) oder ein
Herzschrittmacher die Anwendung der jeweiligen Therapieform einschränkt.
Im Einzelfall werden Sie sicher vom verschreibenden Arzt oder vom
Therapeuten gefragt, ob solche Einschränkungen bei Ihnen bestehen.
Sonst fragen Sie gegebenenfalls selbst nach, ob bei Ihnen trotz
implantierten Metalls oder Herzschrittmacher die Stromtherapie möglich
ist.
Niederfrequente
Ströme
Bei
der transkutanen elektrischen Nervenstimulation
(TENS) wird
angenommen, dass es durch Erregung von schnell leitenden sensiblen
Nervenfasern der Haut im Rückenmark zu einer Hemmung der Impulse kommt,
die über langsam leitende Schmerzen vermittelnde Nervenfasern in der
gleichen Region das Rückenmark erreichen. Dieser Mechanismus ist
vergleichbar dem über die Haut reiben, wenn man sich gestoßen hat.
Auch hierbei werden sensible Nervenfasern aktiviert, und die Impulse der
Schmerz leitenden Fasern werden (zum Teil) auf Rückenmarksebene
blockiert. Das TENS-Gerät besteht aus einem kleinen Kasten, den
Impulsgenerator, sowie Hautelektroden und Kabel. Die Impulse sollen
dabei angenehm, keinesfalls schmerzhaft sein. Es ist ein Verfahren,
welches sich wegen der guten Verträglichkeit besonders gut eignet für
die Schmerztherapie. Es sollte nicht ständig, sondern intermittierend
eingesetzt werden, die optimale Elektrodenlage und die optimale
Stromform und Behandlungsdauer sind jeweils im Einzelfall
auszuprobieren. Etwa auf 60 – 70% wird die Rate der Patienten geschätzt,
bei denen die Behandlung zunächst anspricht. Bei einem Teil der
Patienten kommt es im Verlauf leider zu einer Toleranzentwicklung, die
erst wirksame Methode verliert im Verlauf also manchmal ihre
Wirksamkeit. Für viele Schmerzpatienten ist sie aber durchaus ein
wichtiger Baustein im Gesamtkonzept der Schmerzbehandlung.
Andere
Elektrotherapieformen sind für die kontinuierliche Behandlung des
chronischen Schmerzes weniger geeignet, da damit in der Regel ein größeres
Gerät und auch die Anwesenheit eines professionellen Therapeuten
verbunden ist. Aber als Behandlungsserie kommen diese Therapien
ebenfalls in der Praxis oder der Reha-Klinik in Frage. Hierzu gehören
die galvanischen Ströme, die die Schmerzrezeptoren und
Schmerzimpulse leitenden Nervenfasern in ihrer Aktivität vermindern,
zudem zu einer Verbesserung der Durchblutung und damit auch zu einer
Anregung der Stoffwechselvorgänge führen. Es handelt sich um
Gleichstrom. Spezielle, aber auch unter Laien gut bekannte Formen der
galvanischen Ströme sind das Vierzellenbad und das
Stangerbad.
Hierbei fließt der Strom praktisch durch den ganzen Körper. Aber auch
eine lokale Anwendung von Gleichstrom ist möglich durch Anlage von zwei
Elektroden, beispielsweise über einem schmerzenden Gelenk. Wird noch
ein schmerzlinderndes Medikament in Form einer Salbe oder eines Gels
unter die Elektroden gegeben, so unterstützt der Strom das Eindringen
des Medikamentes, die Methode wird Iontophorese genannt.
Diadynamische
Ströme
sind eine weitere Form niederfrequenter Ströme. Sie dienen ebenfalls
der Schmerzbehandlung wie auch der Verbesserung der Durchblutung.
Mittelfrequente
Ströme
Interferenzströme
gehören zu den mittelfrequenten Strömen, hier werden verschiedene
Frequenzen von Strömen überlagert. Dabei werden in erster Linie die
Muskeln direkt angesprochen. Wie bei allen Formen der Elektrotherapie
steht nicht das mehr oder weniger passive Muskeltraining im Sinne eines
Kraftzuwachses im Vordergrund, sondern vielmehr die Möglichkeit, dem
Patienten zu helfen, ein besseres Muskelgefühl zu erhallten und eine
Lockerung der Muskulatur zu erreichen. Das gilt auch bei reflektorischer
Muskelverspannung, so auch bei „Hexenschuss“. Interferenzströme
haben eine „massageähnliche“ Wirkung. Sie sind insbesondere bei flächigen
Schmerzausdehnungen sinnvoll.
Hochfrequente
Ströme
Die
Kurzwellentherapie (Diathermie) ist eine Elektrotherapie, die im
Körper zur Wärmebildung und damit zur Schmerzlinderung führt. Sie ist
eine Form der Hochfrequenztherapie. Eigentlich handelt es sich um eine
Behandlung in einem elektrischen (Kondensatorfeld) oder magnetischen
Feld (Spulenfeld). Sie ist besonders im Gelenkbereich von Nutzen.
Kurzwellentherapie führt zu einer Erwärmung in tieferen Gewebe ohne übermäßige
Belastung der oberen Hautschichten. Da die Dosierung vorwiegend nach den
Angaben des Patienten erfolgt, ist eine intakte Sensibilität notwendig.
Einen wichtigen Ausschlussgrund für die Therapie mit Kurzwellen stellen
Herzschrittmacher dar.
Die
Dezimeterwelle ist gegenüber der Kurzwelle mehr in oberflächlichen
Regionen wirksam. Sie ist bei Muskelerkrankungen damit weniger geeignet
zur Schmerzbehandlung.
Ultraschall-Therapie
Sie kennen Ultraschall in der
Diagnostik zur Darstellung von Herz, Bauchorganen oder werdendem Leben
im Mutterleib. In höheren Dosen und Wirkstärken ist Ultraschall aber
auch in der Therapie nutzbar. Es ist im wesentlichen eine Wärmetherapieform,
die in der Schmerzbehandlung sinnvoll ist. Durch die thermischen und
mechanischen Effekte kann eine Verbesserung von Durchblutung und
Beschleunigung von Stoffwechselprozessen erreicht werden. In der Regel
wird eine lokale Beschallung von Schmerzgebieten und deren Umgebung
vorgenommen. Gut kann auch Ultraschall mit Gleichstrom kombiniert
werden, um eine verstärkte Wirkung beider Therapieformen zu erreichen.
Schmerzdämpfung ist dabei im Bereich von Gelenken ein wesentliches
Ziel.
Die
Formen der Elektrotherapie werden zum Teil in Arzt- oder
Krankengymnastik-Praxen angeboten, die Durchführung zuhause ist jedoch
außer bei TENS in der Regel nicht möglich. Als Behandlungsserie können
sie aber ambulant oder im Rahmen stationärer Rehabilitationsmaßnahmen
gute schmerztherapeutische Effekte haben.
Schmerzbehandlung -
4.7.
Interventionelle Verfahren
Interventionelle
Verfahren kommen bei Schmerzen zum Einsatz. Hierzu gehören zum
Beispiel:
-
Nervenblockaden
-
Wurzelblockaden
-
Sympathikusblockaden
-
Ganglionäre
lokale Opioidanalgesie
-
Rückenmarksnahe
Analgesieverfahren
-
Spinal
Cord Stimulation (SCS)
Diese
Verfahren können bei bestimmten Störungsbildern, bzw. bestimmten
Ursachen der Schmerzen zu einer Linderung führen. In der Mehrzahl der
Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen, die unter chronischen
Schmerzen leiden, sind sie von untergeordneter Bedeutung. Sie können
aber in einem Gesamtkonzept ihren Stellenwert haben.
Schmerzbehandlung - 4.8. Psychologische Schmerztherapie
Hierzu
gehören:
-
Entspannungsverfahren
o
Autogenes
Training
o
Progressive
Muskelrelaxation nach Jacobson
-
Imaginative
Verfahren
-
Biofeedback
-
Stressbewältigungstraining
-
Psychotherapie
Einen
wichtigen Stein im Mosaik jeder Schmerzbehandlung stellt die
Entspannungstherapie dar. Zwei Verfahren sind besonders bekannt und
verbreitet: das Autogene Training und die progressive Muskelrelaxation
nach Jacobson. Beide Verfahren sind besonders bei muskulärer
Verspannung günstig einzusetzen. Einfach zu erlernen und in der
Wirksamkeit gut belegt ist die progressive Muskelrelaxation.
Hierbei wird der Patient in einer bequemen Lage, in der Regel liegend,
aufgefordert, zunächst bestimmte Muskelgruppen anzuspannen und dann
locker zu lassen. Ziel ist es, das „locker lassen“, die Entspannung,
genau zu beachten und schließlich intensiver durchführen zu können.
Damit lernt der Patient die Muskelentspannung weiter zu vertiefen. Er
erhält Aufforderungen durch einen Therapeuten. Wenn er die Methode
erlernt hat, kann er sie auch zuhause beispielsweise mit einer CD oder
Audio-Kassette weiter fortsetzen. Liegt ein fortgeschrittener Zustand
einer neuromuskulären Erkrankung vor, sind die Verfahren nicht mehr
generell zu empfehlen. Dann können andere, z.B. imaginative
Behandlungsmethoden wie die Gedankenreise erlernt werden.
Biofeedback-Verfahren
haben sich wegen des apparativen Aufwandes nicht so sehr durchgesetzt.
Je nach Art des Schmerzes können sie bei Patienten mit neuromuskulären
Erkrankungen zum Einsatz kommen. Hintergrund ist auch hier, die
Anspannung wahrzunehmen. Sie wird auf einem Gerät durch die
Aufzeichnung der Muskelströme, die durch Oberflächenelektroden
gemessen werden, ermittelt. Der Patient kann dann auf der Anzeige des
Gerätes sehen, wie er die Höhe der Muskelströme mindert oder erhöht.
Er erlernt dadurch ebenfalls mehr und mehr das Entspannen.
Es hat sich insbesondere in
den letzten beiden Jahrzehnten die Sichtweise durchgesetzt, dass auch
bei chronischen Schmerzen Psyche und Körper nicht als getrennt
anzusehen sind. Der körperliche Zustand eines Patienten wird
beeinflusst von seinen Gedanken, Einstellungen, Gefühlen und seiner
Persönlichkeit. Es wird angenommen, dass emotional stabile Patienten
Behandlungsempfehlungen besser akzeptieren und umsetzen können, was die
Prognose und Lebensqualität erhöht, sie leben mit mehr Zufriedenheit
trotz ihrer chronischen Erkrankung. Das Annehmen der Diagnose und der
erlebten körperlichen Einschränkungen ist typischerweise eine
sequentielle Abfolge von Vorgängen, wie wir sie auch beispielsweise bei
der Trauer kennen: Verleugnung, Ärger, Depression, Angst, Annehmen.
Ausmaß und Dauer der Vorgänge hängen einerseits mit der Dynamik der
Erkrankung, andererseits auch mit der individuellen Persönlichkeit
zusammen. Hierbei kann der Psychologe Unterstützung geben.
In
diesem Zusammenhang ist auch das Stressbewältigungstraining zu sehen.
Wir alle sind Stress in verschiedener Form ausgesetzt. Wir unterscheiden
uns jedoch dadurch, wieviel Stress wir zulassen und wie wir damit
umgehen. Gerade der Umgang mit Stress ist beim chronischen Schmerz von
besonderer Bedeutung. Wie kann man mit Stress gesund umgehen? Was ist
Stress? Wo und wie ist er zu begrenzen? Dies sind Fragen in einem
Stressbewältigungstraining, wie wir es in Gruppen durchführen.
Die
Wichtigkeit der Beachtung psychischer Zusammenhänge ist beim
chronischen Rückenschmerz seit vielen Jahren gut bekannt und wird heute
in Behandlungsmodelle regelmäßig mit eingebaut. Dabei geht es in der
verhaltensorientierte Psychotherapie um den Blick auf das aktuelle
Verhalten und die den Schmerz aufrechterhaltenden Mechanismen. Diese
Mechanismen spielen nicht nur bei sonst gesunden Menschen mit Rückenschmerzen,
sondern bei jedem Menschen mit chronischen Schmerzen eine Rolle.
Sicherlich soll der Schmerz, dessen Ursachen ja, wie bereits
beschrieben, sehr vielfältig sein können, nicht als psychologisches Phänomen
abgetan werden, die Beachtung psychologischer Zusammenhänge darf aber
auch nicht außer Acht gelassen werden.
Schmerzbehandlung -
4.9. Medikamente
Wenn
wir an die Behandlung von Schmerzen denken, gilt unser erster Gedanke
oft den Medikamenten. Aspirin®, Thomapyrin®, Vivimed®, Voltaren®
sind jedem als Namen gut bekannt. Medikamente dieser Gruppe sind als
sogenannte
nichtsteroidale Antirheumatika beim akuten Schmerzen
sinnvoll, beim chronischen Schmerz als Dauermedikation aber mit ausgeprägten
Problemen behaftet. Besonders ist hier an Magenschleimhautentzündungen
bis hin zu tödlichen Magenblutungen zu denken. Besonders schwerwiegend
sind auch Funktionsstörungen der Niere, die bis zur
Dialysepflichtigkeit reichen können. Medikamente wie das Paracetamol können
Leberschäden zur Folge haben, Novaminsulfon Veränderungen des
Blutbildes. Die Medikamente haben natürlich ihre Bedeutung beim akuten
Schmerz. Insbesondere beim chronischen Schmerz sollte der Einsatz der
Analgetika (Schmerzmittel) mit dem betreuenden Arzt abgesprochen werden.
Besondere
Beachtung ist auch bei den sogenannten Muskelrelaxantien notwendig. Sie
werden eingesetzt, um Schmerzen, die durch eine Verspannung von
Muskulatur bedingt sind, zu mindern. Hier ist bei neuromuskulären
Erkrankungen und insbesondere bei der Myasthenia gravis, Vorsicht walten
zu lassen. Der Einsatz der Medikamente kann zu einer Zunahme der Schwäche
führen, der zu einer Verschlechterung der Restfunktionen führen kann.
Bedrohlich ist bei grenzwertiger Atemfunktion die Gefahr der
Ateminsuffizienz.
Seit etwa 1960 ist der Effekt
von Antidepressiva bei der Therapie chronischer Schmerzen bekannt. Der
Effekt ist unabhängig von dem Vorliegen einer Depression. Sie wirken
auf die die körpereigene Schmerzwahrnehmung regulierenden Systeme mit
den Überträgersubstanzen Noradrenalin und Serotonin. Allerdings benötigen
die Vertreter dieser Medikamentengruppe bis zur vollen Ausprägung ihrer
Wirksamkeit sieben bis 14 Tage Vorlauf. Beim akuten Schmerz sind sie
also nicht sinnvoll einsetzbar. Bezogen auf Muskelkrankheiten ist zu
beachten, dass bei der Auswahl des Präparates eine Vorschädigung der
Herzmuskulatur oder auch eine gestörte Lungenfunktion zu beachten sind.
Darüber hinaus kommen sie aber auch in Betracht.
Besonders
sinnvoll sind bei einschießenden Schmerzen oder bei brennenden
Missempfindungen Medikamente, die primär gegen epileptische Anfälle
entwickelt worden sind. Bei der genannten Art von Schmerzen ist ursächlich
besonders an eine Polyneuropathie, also eine Schädigung von
Nervenfasern zu denken. Carbamazepin und Gabapentin sind die Substanzen,
die in dieser Indikation vorwiegend verordnet werden.
Die
Opioidtherapie bei chronischen Schmerzen, die nicht Folge eines Tumors
sind, wird noch kontrovers diskutiert. Die Vertreter eines solchen
Vorgehens sehen eine Opioidgabe dann als indiziert an, wenn alle anderen
etablierten Maßnahmen versagt haben und der Patient dem Schmerz weiter
ausgesetzt ist. Die etablierten therapeutischen Möglichkeiten sind aber
oft bei weitem nicht ausgeschöpft! Medikamente dieser Gruppe können
durch eine Verminderung des Atemantriebes das Problem einer Verminderung
der Atemfunktion bei neuromuskulären Erkrankungen nach sich ziehen.
Viele Nebenwirkungen der oben genannten nichtsteroidalen Antirheumatika
liegen bei Ihnen nicht vor. Ist ihr Einsatz notwendig, können sie unter
Beachtung der eigenen potentiellen Nebenwirkungen begleitend zu anderen
Maßnahmen selbstverständlich eingesetzt werden.
Schmerzbehandlung - 4.10. Außenseiter-Methoden
Mit
der konventionellen Nadelakupunktur kann oft eine gute
Schmerzlinderung realisiert werden. Dass die Behandlung mit den Nadeln
biologische Effekte hat, gilt als belegt. Hier kann durch die Körperakupunktur
ein individuelles Therapieregime erarbeitet werden, basierend auf den
Gesichtspunkten der chinesischen Medizin. Alternativ ist die
Ohrakupunktur einfach und schnell durchführbar. Akupunktur ist
nebenwirkungsarm. Ob die Kosten einer ambulanten Akupunktur-Behandlung
von der Krankenkasse übernommen werden, sollte vor der Behandlung durch
einen Kostenübernahmeantrag geklärt werden. Zwar ist die Akupunktur
nicht das erste Verfahren in der Schmerzbehandlung bei Patienten mit
neuromuskulären Erkrankungen, sie stellt aber doch eine zusätzliche
Option dar. Ein Nachteil ist, dass nicht an der Schmerzursache
gearbeitet wird, beispielsweise an Fehlhaltungen. Andererseits kann sie
aber die Arbeit an der Schmerzursache, z.B. durch Krankengymnastik,
erleichtern und erfolgt deshalb auf Wunsch auch in unserer Klinik.
Natürlich
sind Außenseiterverfahren generell interessant und attraktiv, wenn die
Schulmedizin keine sicher wirksame Therapie anzubieten hat. Es sollte
aber immer überprüft werden, ob das gewählte Therapieverfahren nicht
doch gefährlich ist, beispielsweise die Frischzellentherapie, oder eine
große Belastung des Geldbeutels darstellt, ohne dass je Wirkungsansätze
wirklich belegt worden wären.
Schmerzbehandlung -
4.11.
Sozialmedizinische Gesichtspunkte
Ein
behinderungsgerechter Arbeitsplatz kann ebenfalls dazu beitragen,
Schmerzen zu lindern, einerseits durch seine ergonomische und
behindertengerechte Ausgestaltung. Andererseits kann durch den Erhalt
des Arbeitsplatzes das Lebensgefühl verbessert werden. Eine Möglichkeit,
den Arbeitsplatz zu erhalten sind ausreichende Arbeitspausen. Hier ist
eine individuelle Analyse nötig.
Ebenso
gehört zu den sozialmedizinischen Aspekten, dass Leistungen, die nach
dem Schwerbehindertengesetz oder Pflegegesetz dem Betroffenen zustehen,
erkannt und beantragt werden, um das soziale Handicap möglichst gering
und die Teilhabe am Leben möglichst hoch zu gestalten .
Schmerzbehandlung - 5.
Zusammenfassung
Als Fazit ist festzustellen,
dass die Möglichkeiten der Schmerzbehandlung auch bei Patienten mit
neuromuskulären Erkrankungen vielfältig sind. Das Therapiekonzept ist
für jeden Patienten ganz individuell zu planen und durchzuführen.
Jeder Patient mit einer neuromuskulären Erkrankung ist auf ein
kontinuierliches ambulantes Therapieprogramm angewiesen. Jedoch sind
durch ambulante Maßnahmen der optimale Trainingszustand und ein Optimum
der Funktionen oft nicht zu erhalten. Deshalb ist bei vielen Patienten
mit neuromuskulären Erkrankungen etwa einmal pro Jahr eine spezifische
stationäre Behandlung anzuraten mit einem höherfrequenten und
umfassenderen Behandlungsprogramm, als ambulant unabhängig von
beruflichen und häuslichen Belastungen realisierbar. Die Schmerzbehandlung
sollte in einer Klinik durchgeführt werden, die in der Betreuung von
Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen versiert ist.
Mit
den besten Wünschen, insbesondere für Ihre Gesundheit
Dr. med. Carsten Schröter
Chefarzt
der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner
Arzt für Neurologie
Physikalische Medizin, Rehabilitationswesen
Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke
Weitere Medizinische Informationen
und
Links für Patienten und Interessierte –
von
Amyotrophe Lateralsklerose bis zur
Therapie der spastischen Spinalparalyse
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Informationen zu Krankheiten finden Sie bei der
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www.informationen-zu-krankheiten.de.
Info-Material zur Klinik anfordern:
www.wicker-gruppe.de/infomaterial-anfordern.html
Zur Klärung
weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht
Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte
vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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Schicken Sie uns eine E - mail
Dr. Carsten Schröter
Tel.: 05652 – 55 861, FAX 05652 – 55 814
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Hardtstraße 36,
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